40 Tage ohne Emissionen? Schwedischer Städter lebt die Idee

16.08.12

Um sein Leben emissionsfrei zu gestalten, fuhr Joakim Book Jonnson 15km mit dem Fahrrad zur Arbeit. © Sanna Sjöberg

Von Susan Kim (*)


Joakim Book Jonnson ist Verkäufer in einer Sicherheitsfirma und Mitglied der Schwedischen Kirche. Als er die Entscheidung trifft, wenigstens vorübergehend keinen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen, stellt er sein Pendlerleben komplett auf den Kopf.

 

Einfach ausgedrückt: Er verzichtete in der Fastenzeit auf Emissionen. Und hat es geschafft, 46 Tage lang 80 bis 90 Prozent weniger Emissionen auszustoßen.

 

Er gibt zu, dass ihn sein Experiment, dem er den Titel „40 Tage ohne Emissionen“ gab, zeitweise wütend gemacht hat.

 

„Mein Güte, ich wollte wirklich aufgeben! Stunden-, tage- und wochenlang habe ich mich über alle möglichen Dinge aufgeregt: die Plastikverpackungen von Gemüse, Menschen, die in ihren Autos unterwegs waren, meinen Mitbewohner, der das Licht angelassen hat.“

 

Und manchmal fragte sich Book Jonnson, warum er es überhaupt versuchte.

Die Antwort fand er bei den Menschen in seiner Umgebung – seinen Freunden, seiner Familie und sogar vollkommen Fremden –, die ihm überraschend viele Tipps gaben, wie er Emissionen einsparen konnte.

 

„Zu meiner großen Überraschung gaben mir Freunde, Fremde, Lehrer, meine Eltern und meine Familie einen Tipp nach dem anderen, was ich essen könnte, wie ich meine Kleidung waschen könnte, wie ich leben könnte. Es gab überhaupt nicht genug Probleme für all die Lösungen und das zeigt wieder einmal, dass wir eigentlich schon wissen, was wir tun sollten“, erklärt er.

 

Book Jonnson sagt, er hätte das Projekt ohne die Unterstützung seiner Gleichgesinnten bei „Youth for Eco-Justice“, einer 2011 vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und dem Lutherischen Weltbund (LWB) gemeinsam organisierten Veranstaltung, niemals begonnen.

 

„Wenn ich diese ganzen schlauen Leute, die so viel mehr über Klimawandel, Nachhaltigkeit und Biodiversität wissen als ich, nicht getroffen und mich von ihnen hätte inspirieren lassen, hätte ich nicht im Traum daran gedacht, ein Experiment wie ‚40 Tage ohne Emissionen‘ zu machen“, erzählt er.

 

Seit Beginn seines Experiments versucht Book Jonnson im persönlichen Gespräch und in einem Blog über seine Erfahrungen so vielen Menschen wie möglich von seinen Lösungen, die persönlichen Emissionen zu reduzieren, zu berichten.

 

„Ich konnte mit so vielen Menschen über diese Ideen [sprechen].“ Ich war sogar auf einer internationalen Konferenz der Jugendorganisation der Schwedischen Kirche. „Mich rufen jede Woche neue Leute an, schicken mir Nachrichten oder kommentieren meinen Blog und erzählen mir, welch große Inspiration ich für sie bin, wie merkwürdig die Welt funktioniere und wie einfach wir das ändern könnten.“

 

   

 

Vier Tipps zur Reduzierung von Emissionen, die wir von „40 Tage ohne Emissionen“ lernen können:

1. Nahrungsmittel aus der Region kaufen: Dies ist die nach außen hin sichtbarste Veränderung seines Lebensstils, die Book Jonnson auch nach den 40 Tagen beibehalten hat. „Ich zögere keinen Moment, einen höheren Preis für Nahrungsmittel zu zahlen, die aus der Region stammen. Im Endeffekt lohnt sich das!“
 
2. Fahrrad benutzen! Book Jonnson fuhr die 15 km zu seinem Arbeitsplatz jeden Tag mit dem Fahrrad und gibt zu, dass die Berge und die körperliche Anstrengung eine Herausforderung waren. Aber schlussendlich genoss er überraschenderweise diese neu gewonnene Freizeit.  „Ich hatte jeden Tag 30 bis 45 Minuten Zeit, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen – und ich hatte niemals gedacht, wie nützlich und entspannend das ist.“
 
3. Plastik, Papier und Verpackungen vermeiden. Book Jonnson musste sich erst auf die Suche nach Geschäften machen, die Nahrungsmittel verkaufen, die nicht verpackt sind. Und dann übernahm er dieser Regel, Verpackungen wo möglich zu vermeiden, auch in andere Bereiche seines Lebens: „Ich habe gelernt, dass ich eigentlich nicht für alles Küchenpapier brauche und dass ich kurze Notizen auch in mein Handy schreiben kann“, erklärt er.
 
4. Sich mit anderen Menschen zusammentun, denen die Umwelt ebenfalls am Herzen liegt. „Den Kampfgeist von tausenden und abertausenden Menschen zu sehen, hat mir die Kraft und Inspiration gegeben, dieses Experiment durchzuziehen“, so Book Jonnson. Treten Sie mit „Youth for Eco-Justice“ über Facebook oder Twitter in Kontakt!

Letzten Endes hat das Projekt sein Denken über das Reduzieren von Emissionen verändert. „Nach einer Weile ist mir klar geworden, dass es am schwierigsten war, zu akzeptieren, dass ich nur für meine eigenen Emissionen verantwortlich bin. Ich kann nicht nur allen anderen ihre Emissionen vorwerfen“, so Book Jonnson. „Ich muss meine persönlichen Emissionen reduzieren und damit zufrieden sein. Schließlich hab ich dieses Experiment gemacht, um ein Vorbild für andere zu sein und zu zeigen, wie ein nachhaltiges Leben aussehen kann. Allen anderen die Schuld zu geben, gehört da bestimmt nicht dazu.“

 

(485 Wörter)

 

Dieser Featureartikel ist Teil einer Reihe von Artikeln, die über Initiativen informieren sollen, die Teilnehmende des Workshops „Jugend für Umweltgerechtigkeit“ im Anschluss an den Workshop als weiterführende Maßnahmen ins Leben gerufen haben.

 

(*) Susan Kim ist freischaffende Autorin aus Laurel (Maryland/USA).

 

Lesen Sie auch:

 

Enttäuschung über Rio+20 motiviert Jugend zu Engagement für Umweltgerechtigkeit vor Ort (ÖRK-Featureartikel vom 16. Juli 2012)

 

„Youth has a stake in the issue of climate change“ (in englischer Sprache, ÖRK-Featureartikel vom 1 Mai 2012)

 

„Christliche Jugendliche bekennen sich zu Engagement für Umweltgerechtigkeit“ (ÖRK-Featureartikel vom 14. Dezember 2011)

 

Der LWB und „Jugend für Umweltgerechtigkeit“ (in englischer Sprache)

 

Weitere Informationen zur Arbeit des ÖRK zum Thema ökologische Gerechtigkeit