Tveit berichtet über Arbeit der Kirchen für Gerechtigkeit und Frieden

3.09.12

ÖRK-Generalsekretär Tveit legt im Rahmen der Zentralausschusstagung seinen Bericht vor.

„Der Ökumenische Rat der Kirchen (Weltkirchenrat) definiert sich durch alle Teilwörter seines Namens. Wir sind eine weltweite Organisation, in der alle Kontinente vertreten sind, und so stehen wir auch in Solidarität zueinander und suchen gemeinsam nach Frieden in all seinen Dimensionen für das Wohl der ganzen Erde“, sagte der Generalsekretär des Rates, Pastor Dr. Olav Fykse Tveit.

 

Es sei nun an der Zeit, die „Früchte unseres Lebens und unserer Arbeit“ zu ernten, erklärte Tveit und sann darüber nach, was die Gemeinschaft im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) seit der 9. Vollversammlung 2006 in Porto Alegre, Brasilien, gelernt habe.

 

Der ÖRK-Generalsekretär legte dem Zentralausschuss, der eines der obersten Entscheidungsgremien des ÖRK ist, am 29. August seinen Bericht vor. Dieser Ausschuss begutachtet und entscheidet über die aktuelle und zukünftige Arbeit des Rates, macht Kurskorrekturen, würdigt und feiert aber auch das Erreichte.

 

Der Zentralausschuss tagt derzeit in der Orthodoxen Akademie von Kreta in Kolympari, Griechenland. Es ist die letzte Tagung des amtierenden Zentralausschusses vor der 10. ÖRK-Vollversammlung, die 2013 im koreanischen Busan stattfinden wird.

 

Tveit stellte fest, dass das Thema der nächsten Vollversammlung, „Gott des Lebens, weise uns den Weg zu Gerechtigkeit und Frieden“, die Ausrichtung der ÖRK-Programmarbeit seit der letzten Zentralausschusssitzung im Jahr 2011 bestimmt habe.

 

Tveit berichtete über die Ergebnisse der Internationalen ökumenischen Friedenskonvokation (IöFK), die im Mai 2011 in Jamaika stattgefunden hat. Dank der Inspiration der Kirchen in Jamaika, so Tveit, „erhielten die Teilnehmenden einen erneuerten theologischen, ethischen und spirituellen Anreiz, sich vereint für den Aufruf zu einem gerechten Frieden einzusetzen“.

 

Er legte einige Gedanken zum Thema „Gerechtigkeit und Frieden“ dar und unterstrich die Bedeutung eines „gemeinsamen Auftretens der Kirchen als eine Gemeinschaft von Friedensstiftern“ sowie die Bedeutung der ökumenischen Bewegung als ein die verschiedenen Friedensinitiativen vereinigendes Instrument.

 

Der Generalsekretär informierte den Ausschuss über die Unterstützung des ÖRK für die Kirchen in Syrien, im Sudan, in Pakistan, auf den Papua-Inseln in Indonesien sowie in Nigeria. Er verwies auf ökumenische Initiativen zur Wahrung der Menschenrechte in diesen Ländern.

 

Im Hinblick auf die Kirchen in Konfliktsituationen brachte Tveit seine Sorge zum Ausdruck und sagte: „Christen im Nahen Osten und in Nordafrika sollten nicht den Eindruck haben, inmitten der Gemeinschaft von Kirchen auf sich allein gestellt zu sein, insbesondere in Zeiten, wenn sie – und wir als ÖRK – der Ansicht sind, dass die christliche Präsenz in jener Region aus verschiedenen Gründen gefährdet ist.“

 

Tveit rief die Kirchen zudem dringend auf, sich ernsthaft mit den Folgen der Finanzkrise in Europa zu befassen. Er sagte, es sei ein bedeutendes Zeichen, dass der Zentralausschuss in Griechenland tage, einem Land, das die ganze Wucht der Krise zu verspüren bekommen habe.

 

Weiter kam er auf die Einheit zu sprechen, die „ein Geschenk des Lebens und ein Geschenk der Liebe“ für die Kirchen sei. „Wir sind aufgerufen, dies dort, wo wir leben, in das Leben der Menschen zu bringen und in unser Engagement für die Einheit der ganzen Schöpfung einzubinden, indem wir das Gleichgewicht des Lebens und die besonders gefährdeten Aspekte und die schwierigsten Verhältnisse des Lebens achten“, so Tveit. Die zu beobachtenden Tendenzen, für die Wenigen statt für die Vielen zu arbeiten, sei eine Herausforderung für die Einheit.

 

Er erläuterte das Verfahren zur Formulierung einer Erklärung zu den Fortschritten auf dem Weg zur Einheit unter Christen, die der 10. Vollversammlung des ÖRK vorgelegt werden soll.

 

Mit Blick auf das neue Verständnis von „Mission und Evangelisation“, das aus einer kürzlich veranstalteten ÖRK-Konferenz zu diesem Thema erwachsen ist, lobte Tveit die Aufnahme verschiedener Aspekte, wie „Mission im Leben – in den und aus den Randgebieten“, denn genau diese entsprächen unserer heutigen Lebenswirklichkeit.

 

Der ÖRK spiele „eine wichtige Rolle“ als „Teil der breiter gefassten ökumenischen Überlegung zu der Definition und den Initiativen für Mission und Evangelisation“, erklärte Tveit. „Wir verfügen über das Vermächtnis tiefgehender Diskussionen über Mission, aber wir vertreten auch einen Reichtum an Traditionen und an praktischer Umsetzung der Mission der Kirchen in ihrem täglichen Leben“, fügt er hinzu.

 

Im Fazit seines Berichts nannte Tveit den „gerechten Frieden“ eine wichtige Komponente für die strategische Ausrichtung der Arbeit des ÖRK. Er unterstrich, wie wichtig es sei, zukünftige Prioritäten festzulegen und über den „einzigartigen Wert“ von ÖRK-Programmen nachzudenken.

 

Des Weiteren erwähnte er unter anderem auch die führende Rolle des ÖRK in interreligiösen Initiativen, gemeinsamen Aktionen zu den Themen Armut, Reichtum, Ökologie und Wasser, die verstärkte Beteiligung der Jugend und die Weiterentwicklung von Materialien für die theologische Ausbildung am Ökumenischen Institut Bossey in der Schweiz.

 

Bericht des Generalsekretärs im vollständigen Wortlaut

 

Weitere Informationen über die Tagung des Zentralausschusses

 

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