Blitzaktion für Frauenrechte im Ökumenischen Zentrum Genf

14.02.13

© Kristine Greenaway/WGRK

Eine blitzartige Aktion brach heute in der Cafeteria des Ökumenischen Zentrums in Genf, Schweiz aus. Unter den an ihren Mittagstischen sitzenden Menschen erhoben sich plötzlich um 12.30 Uhr überall Leute, verließen ihre Tische und begannen zu tanzen.

 

Die etwa 20 an der Aktion Beteiligten, die an ihrer hellrosa- und violettfarbigen Bekleidung erkennbar waren, führten ihren Tanz zur Musik eines Songs aus, der die Gewalt gegen Frauen verurteilt.

 

Der von Tena Clark und Tim Heintz verfasste Text zum Song Break the Chain (Zerbrecht die Ketten) weist auf die skandalöse Tatsache hin, dass von den drei Milliarden Frauen und Mädchen auf unserer Erde rund eine Milliarde im Laufe ihres Lebens Opfer von Vergewaltigung oder sexuellen Übergriffen sein werden. Der Song endet mit einem leidenschaftlichen Aufruf, sich zu erheben und dieser Gewalttätigkeit ein Ende zu bereiten.

 

Ähnliche tänzerische Veranstaltungen finden heute in den verschiedensten Ländern von Australien bis zum Libanon statt. Sie sind Teil der One Billion Rising-Kampagne, die von V-Day, einer weltweiten Bewegung, ins Leben gerufen wurde. V-Day organisiert kreative Ereignisse, um die Öffentlichkeit mit Blick auf Gewalt gegen Frauen aufzurütteln und den Mut der Teilnehmenden an Protestaktionen gegen Gewalttätigkeiten zu stärken.

 

Die Blitzaktion im Ökumenischen Zentrum, in dem weltweite kirchliche, aber auch Nichtregierungs-Organisationen ihren Sitz haben, wurde von der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) ins Leben gerufen.

 

Dora Arce-Valentín, die für das Gendergerechtigkeitsprogramm der WGRK zuständige Referentin, erklärt, die Aktion sei in der Absicht inszeniert worden, die Aufmerksamkeit des Publikums auf die dringende Notwendigkeit der Zusammenarbeit von Männern und Frauen zu ziehen, um Verhaltensweisen zu ändern, die Vergewaltigung, sexuellen Missbrauch und Übergriffe gegen Frauen und Mädchen zur Folge haben.

 

„Die Auslösung einer Blitzaktion in der Cafeteria sorgt für Aufregung und erweckt Aufmerksamkeit,” sagt die Pastorin aus Kuba. „Es ist eine exemplarische Vorgehensweise zur Bewusstseinsförderung angesichts einer dringenden und dramatischen Situation.”

 

Blitzaktionen oder „Flash mobs” brechen ohne Vorwarnung an öffentlichen Orten aus. Die Ausführenden treten völlig unerwartet aus der Menschenmenge hervor, singen oder tanzen, um nach beendeter Aufführung ebenso schnell wieder in der anonymen Menge zu verschwinden, aus der sie aufgetaucht waren.

 

Aiko Sumichan, eine junge Praktikantin aus Indonesien, gewann Teilnehmende für diese Tanzaktion unter dem Personal von Organisationen wie dem Christlichen Verband junger Frauen (World YWCA), dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), dem Lutherischen Weltbund, COHRED sowie dem Christlichen Studentenweltbund (WCSF).

 

„Die Übernahme der Cafeteria, indem wir sie mit Protestgesang und einem kraftvollen Auftritt ausfüllten, ist eine bemerkenswerte Weise, um unserer Bewegung zur Überwindung von Gewalt neue Energie zu geben,” sagt Sumichan. „Hinzukommt, dass wir große Freude an der Ausführung hatten. Die Angestellten sagten mir, so etwas hätten sie hier noch nie erlebt.”

 

Der ÖRK arbeitet regelmäßig mit anderen ökumenischen Organisationen zusammen für ein Ende der Gewalt gegen Frauen. Während der Fastenzeit 2010 hat der ÖRK zum Beispiel zusammen mit dem WSCF und dem World YWCA eine Serie von Bibelarbeiten unter dem Titel Cries of Anguish, Stories of Hope veröffentlicht, die auf der Website http://women.overcomingviolence.org zur Verfügung stehen.

 

Dieses Jahr werden ÖRK und WSCF bei der 57. Sitzung der UN-Frauenrechtskommission gemeinsam das Buch When Pastors Prey vorstellen, eine Gemeinschaftspublikation zum Thema des sexuellen Missbrauchs von Frauen durch Geistliche im kirchlichen Kontext.

 

“Der ÖRK hat Gewalt gegen Frauen immer als Sünde verurteilt, die nicht länger hingenommen werden darf. Der gemeinsame kreative Tanzstreik heute in der ökumenischen  Cafeteria als Teil der weltweiten Kampagne war ein Highlight unserer gemeinsamen Arbeit gegen die Entmenschlichung und Kommodifizierung des weiblichen Körpers!” sagt Dr. Fulata Lusungu Moyo, ÖRK-Programmbeauftragte für Frauen in Kirche und Gesellschaft.

 

“Beim nächsten Mal hoffen wir, dass sich uns auch mehr Brüder anschließen können,” fügte sie hinzu. “Lasst uns gemeinsam die Ketten der Ungerechtigkeit durchbrechen! In Anlehnung an die 10. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen, auf die wir uns zubewegen, beten wir gemeinsam: Gott des Lebens, weise uns den Weg zu Gerechtigkeit und Frieden.”

 

Dieser Text basiert auf einer Pressemeldung der WGRK.

 

Website der One Billion Rising-Kampagne (in englischer Sprache)

 

ÖRK-Programm für Frauen in Kirche und Gesellschaft