Ökumenische Reaktionen auf Papstwahl aus Lateinamerika

15.03.13

Kardinal Jorge Bergoglio, Erzbischof von Buenos Aires (Argentinien), schreibt Geschichte: Er ist der erste römisch-katholische Papst aus Lateinamerika, der erste Jesuit in diesem Amt und der erste, der sich, inspiriert von Franz von Assisi, für den Namen Franziskus entschieden hat. Wir berichten über die Reaktionen ökumenischer Führungspersönlichkeiten aus der Region Lateinamerika.

 

Der Vorsitzende des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), der brasilianische lutherische Pastor Dr. Walter Altmann, bewertet die Wahl von Papst Franziskus als „Wendepunkt für die Christenheit“.

 

„In den letzten Jahrzehnten hat sich das weltweite Christentum radikal nach Süden verlagert. Die Wahl eines argentinischen Papstes spiegelt diese neue Realität wider, obwohl ja die meisten Kardinäle aus dem Norden kommen“, so Altmanns Einschätzung.

 

„Ich erwarte, dass seine Amtszeit geprägt sein kann von intensivem und tiefem ökumenischem Dialog und Zusammenarbeit“, erklärte er.

 

In Buenos Aires stand der Neugewählte in den 1990er Jahren einer der größten Diözesen vor, die sich besonders für soziale Gerechtigkeit einsetzte.

 

Pastorin Romi Márcia Bencke, Generalsekretärin des Nationalrates der christlichen Kirchen in Brasilien (CONIC) verweist auf die bedeutende christliche Geschichte des lateinamerikanischen Kontinents und den entsprechenden Bezug zum neuen Papst.

 

„Der Weg der Katholikinnen und Katholiken auf unserem Kontinent wurde geprägt durch die reiche Erfahrung der Befreiungstheologie. Insbesondere in Brasilien erleben wir ein reiches ökumenisches Zusammenleben mit der römisch-katholischen Kirche, die eine Mitbegründerin des CONIC ist. Ich hoffe, dass der neue Papst unseren ökumenischen Weg weiter bestärken wird“, erklärt Bencke.

 

„Die Wahl Bergoglios bestätigt die Richtung, die die römisch-katholische Kirche bereits in der Zeit Benedikts XVI. eingeschlagen hat“, bemerkt Bischof Frank de Nully Brown, Evangelisch-Methodistische Kirche von Argentinien.

 

P. Nestor Paulo Friedrich, Präsident der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB), befindet: „diese Wahl könnte Überraschung, Veränderung und Chance bedeuten“ und bekräftigt das ökumenische Engagement seiner Kirche. Er hoffe, der neue Papst werde den Dialog wertschätzen, so Friedrich.

 

Der lutherische Kirchenleitende erklärt, er bete darum, dass die Wahl von Papst Franziskus beitragen möge „zur Entwicklung der römisch-katholischen Gemeinschaft und der Welt, im Engagement und in der Förderung erneuerter ökumenischer Partnerschaften und in der Stärkung des Dialogs, damit wir gemeinsam Zeugnis geben können vom lebendigen Evangelium Jesu Christi.“

 

In Argentinien fallen die Reaktionen auf die Wahl unterschiedlich aus. Einerseits wird Bergoglio vorgeworfen, er habe in der Zeit der Militärdiktatur nicht die Stimme gegen Menschenrechtsverletzungen erhoben, vielfach wird jedoch betont, der Bischof habe hunderten Menschen dabei geholfen, Haft und Tod zu entfliehen.

 

Papst Franziskus hat in einer Rede vor der Menge auf dem Petersplatz am 13. März die Richtung seines Pontifikats angedeutet.

 

„Und jetzt beginnen wir diesen Weg - Bischof und Volk -, den Weg der Kirche von Rom, die den Vorsitz in der Liebe führt gegenüber allen Kirchen; einen Weg der Brüderlichkeit, der Liebe, des gegenseitigen Vertrauens. Beten wir immer füreinander. Beten wir für die ganze Welt, damit ein großes Miteinander herrsche“, so der Aufruf des neuen Papstes.

 

Mehr zum Thema:

 

ÖRK-Generalsekretär gratuliert neuem Papst (ÖRK-Pressemeldung vom 14. März 2013)

 

Weitere Informationen zur Zusammenarbeit zwischen ÖRK und Vatikan