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Digitalisierung der Geschichte: Überlegungen zur Erweiterung des Zugangs zu den Erfahrungen des ÖRK

Digitalisierung der Geschichte: Überlegungen zur Erweiterung des Zugangs zu den Erfahrungen des ÖRK

Georges ,Yorgo‘ Lemopoulos hat unter fünf Generalsekretären für den ÖRK gearbeitet. Bild: Albin Hillert/ÖRK

19. März 2020

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 20. März 2020

Auf seinem ökumenischen Weg hat Georges ,Yorgo‘ Lemopoulos unter fünf Generalsekretären für den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) gearbeitet; für drei von ihnen als stellvertretender Generalsekretär. Er war außerdem Co-Koordinator für die Feierlichkeiten zum 70-jährigen Bestehen des ÖRK. Lemopoulos macht sich Gedanken dazu, wie wichtig es ist, die Dokumente der ÖRK-Leitungsgremien zu digitalisieren und wie die Digitalisierung dazu beitragen kann, uns alle besser über die reichhaltige Geschichte eines globalen ökumenischen Pilgerwegs aufzuklären.

F: In welcher Weise widerspiegelt die Digitalisierung von Dokumenten der ÖRK-Leitungsgremien die zunehmende Offenheit und den Zugang zum Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens für alle Menschen guten Willens?

Lemopoulos: Das Digitalisierungsprojekt für die Dokumente der ÖRK-Leitungsgremien verkörpert zahlreiche von der Gemeinschaft geschätzten und durch den Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens hervorgehobenen Werte.

Um nur ein paar Beispiele zu nennen, möchte ich die folgenden Aspekte erwähnen: Transparenz im Leben der Gemeinschaft, insbesondere im Entscheidungsfindungsprozess bei Vollversammlungen und Tagungen des Zentral- und Exekutivausschusses; Weitergeben der Macht des Wissens und der Information an alle, die sich für die ökumenische Bewegung interessieren; Weitergeben von Erkenntnissen aus den Erfahrungen des Konsensverfahrens an alle Mitgliedskirchen und ökumenischen Partner, insbesondere in Zeiten, in denen die Entscheidungsfindung bei heiklen Themen sich als schwierig erweist oder gar spaltend wirken kann; Zugang zu ÖRK-Dokumenten, insbesondere für Wissenschaftlerinnen, Akademiker, Ökumenikerinnen und Studierende, die so nicht zum Hauptsitz des ÖRK reisen müssen; Ermächtigung der jüngeren Generation für einen erleichterten Zugang zur Geschichte der ökumenischen Bewegung.

F: Was bedeutet für Sie das „ökumenische Gedächtnis“?

Lemopoulos: Das „ökumenische Gedächtnis“ besteht meines Erachtens darin, die Geschichte eines langen und wunderbaren Pilgerwegs in Erinnerung zu rufen und zu untersuchen, unter Einbezug von Menschen aus allen christlichen Traditionen und kulturellen Kontexten; Menschen, die sich gemeinsam für die Einheit der Christen, das Zeugnis und den Dienst in der Welt einsetzen; Menschen, die zutiefst überzeugt sind, dass durch ihr gemeinsames Engagement für die wichtigsten Anliegen von Gerechtigkeit und Frieden die Heilung einer Welt voller Trennung und Konflikt, Ungerechtigkeit und Leid möglich ist.

Die gegenwärtige ökumenische Bewegung war für ihre Protagonisten – Kirchen, ökumenische Partner und Menschen – ein großartiger gemeinsamer Weg voller neuer Erfahrungen, kreativen Initiativen und prophetischem Handeln.

Das ökumenische Gedächtnis befähigt uns, aus den Erfahrungen der Vergangenheit zu lernen, mit dem Ziel, auch in Zukunft auf dem Pilgerweg weiterzugehen.

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ÖRK-Mitarbeitende Martin Robra (links) und Ivars Kupcis untersuchen Schachteln mit Archivmaterial, das digitalisiert wird. Bild: Albin Hillert/ÖRK, 2019

F: Welchen Rat können sie jüngeren Generationen geben, wie sie am besten durch das Archiv navigieren?

Lemopoulos: Meine Generation wuchs damit auf, dass man in Bibliotheken ging, um Informationen für das Studium oder die Ausbildung zusammenzutragen. Die jüngere Generation scheint vertrauter zu sein mit Informationen, die auf dem Netz erhältlich sind, und sich damit wohler zu fühlen.

Das Archiv über das Internet zugänglich zu machen bedeutet, das echte Interesse der jüngeren Generation für die Geschichte und die Errungenschaften der ökumenischen Bewegung zu würdigen. Es ist auch ein Bestreben, ihnen die Aufgabe zu erleichtern.

Ich bin meinen Kolleginnen und Kollegen, die am Ökumenischen Institut Bossey unterrichten, dankbar, denn sie führen die jüngere Generation in den Reichtum und die Weisheit des ÖRK-Archivs ein. Auch Professorinnen und Professoren, die ihre Studierenden ermutigen, auf die Quellen zurückzugreifen und Informationen aus erster Hand zu suchen, bin ich zu großem Dank verpflichtet.

Doch möchte ich mich nicht auf die akademischen Kreise beschränken. Das ÖRK-Archiv kann auch eine Quelle der Inspiration für junge Menschen sein, die sich aktiv an christlichen Bewegungen beteiligen, nach Gerechtigkeit und Frieden streben, von einer besseren Zukunft träumen, versuchen, den Aufruf Christi, die Armen und Unterdrückten zu erheben, ernst zu nehmen und sich von den Strukturen und Gewohnheiten abzuwenden, die Dunkelheit statt Licht bringen.

F: Gibt es Argumente in Bezug auf die Umwelt, die für die Digitalisierung der Dokumente sprechen, beispielsweise um weniger Papier zu verbrauchen?

Lemopoulos: Selbstverständlich. Sowohl bei internen Sitzungen unter Mitarbeitenden als auch auf den wichtigen Tagungen der Leitungsgremien des Rates streben wir immer danach, möglichst „papierlos“ zu arbeiten. Dies ist eine Politik, die im ganzen ÖRK angewandt wird. Die Digitalisierung ist einfach ein Teil davon. Ich behaupte nicht, dass wir die tief verwurzelte Kultur bereits erfolgreich geändert haben, doch lohnt es sich, es zu versuchen.

Nehmen wir die Dokumente der ÖRK-Leitungsgremien: Ich gehöre seit vielen Jahren zur Belegschaft des ÖRK und habe beobachtet, wie hunderte von Kopien von Sitzungsprotokollen des Zentral- und Exekutivausschusses in den Papierkorb wanderten, nachdem die Kolleginnen und Kollegen ihre Büros verlassen hatten. Während der ersten Jahre meines Dienstes verfügte ich außerdem nicht über eine vollständige Sammlung dieser Berichte und musste sehr oft unsere Bibliothek aufsuchen, um eine Textpassage zu finden oder zu überprüfen. Die Tatsache, dass wir die digitalisierte Version dieser Berichte nutzen können, wird sicher dazu beitragen, dass weniger Papier verbraucht wird, doch werden wir damit auch Zeit einsparen.

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