World Council of Churches

Eine weltweite Gemeinschaft von Kirchen auf der Suche nach Einheit, gemeinsamem Zeugnis und Dienst

Geschichte

Der ÖRK und der palästinensisch-israelische Konflikt
Geschichte

Diakonisches Projekt in the 1950er Jahren

Der ÖRK und der palästinensisch-israelische Konflikt

Der ÖRK ist seit 1948, als der Staat Israel entstand und der Rat offiziell gegründet wurde, an Bemühungen um Frieden im Heiligen Land beteiligt. Sogar noch vor 1948 versuchte der im Aufbau begriffene Ökumenische Rat, europäischen Juden zu helfen, aus den von Nazis besetzten Gebieten in Europa zu fliehen und an sichere Orte zu gelangen. Später stand er dann palästinensischen Flüchtlingen zu Seite, die durch die Teilung Palästinas vertrieben worden waren. Der ÖRK hat sich wiederholt für ein umfassendes Friedensabkommen eingesetzt, das die Rechte, das Wohlergehen und die Sicherheit Israels und des palästinensischen Volkes gewährleisten würde.

Der ÖRK hat zum Dialog zwischen Christen, Juden und Muslimen ermutigt, um Toleranz und harmonische Beziehungen zu fördern. Bereits auf seiner ersten Vollversammlung 1948 haben die ÖRK-Mitgliedskirchen sowohl den Staat Israel als auch das Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat anerkannt. Seither pflegt der Rat enge Beziehungen zu seinen Mitgliedskirchen und den christlichen Gemeinschaften in Jerusalem.

Seit 1995 richtet er sein Augenmerk besonders auf Jerusalem, das von zentraler Bedeutung für den Frieden in der Region ist. Er hat dazu aufgerufen, Jerusalem als eine offene Stadt zu betrachten, die zwei Völkern und drei Religionen gemeinsam ist. Mit dem Abbruch des Oslo-Friedensprozesses, dem provozierenden Besuch Ariel Scharons auf dem Tempelberg in Jerusalem und der daraus resultierenden zweiten Intifada hat der ÖRK seine Bemühungen um internationale Fürsprache für christliche und muslimische Palästinenser in den besetzten Gebieten intensiviert. Mehr und mehr palästinensische Christen sehen sich indessen zur Emigration gezwungen, weil Israel ihren Grund und Boden besetzt und Palästinenser diskriminiert und weil sie sich fernab des Konflikts eine neue Existenz aufbauen wollen.

Im Februar 2001 rief der ÖRK-Zentralausschuss den Generalsekretär und die Mitarbeitenden des Rates auf, sich noch stärker für einen umfassenden Frieden zu engagieren, der auf Gerechtigkeit beruht und Sicherheit für alle Völker in der Regionen gewährleistet.

Auf Empfehlung einer ökumenischen Delegation, die das Heilige Land daraufhin im Juni 2001 besuchte, sowie einer Konsultation von Kirchen und ökumenischen Partnern aus der Region und aus anderen Teilen der Welt im August desselben Jahres startete der ÖRK 2002 eine "Ökumenische Kampagne zur Beendigung der rechtswidrigen Besetzung Palästinas: Für einen gerechten Frieden im Nahen Osten", aus der auch das "Ökumenische Begleitprogramm in Palästina und Israel" hervorging.

Auf seiner Tagung im Februar 2005 erinnerte der ÖRK-Zentralausschuss die Mitgliedskirchen des Rates, "die über Investitionsmittel verfügen, daran, dass sie die Möglichkeit haben, diese Mittel verantwortlich zur Unterstützung von friedlichen Konfliktlösungen einzusetzen." Das Leitungsorgan des ÖRK ermutigte die damals 347 Mitgliedskirchen, "ernsthaft wirtschaftliche Maßnahmen zu erwägen, die gerecht, transparent und gewaltlos sind". Eine Möglichkeit, für den Frieden zu arbeiten, besteht darin, eine wirtschaftliche Beteiligung an illegalen Aktivitäten zu vermeiden, die im Zusammenhang mit der Besetzung durch Israel stehen.

Eine seit 2006 jährlich vom Ökumenischen Rat der Kirchen einberufene "Internationale kirchliche Aktionswoche für Frieden in Palästina und Israel" mobilisiert Kirchen in aller Welt, ihre Mitglieder über den Konflikt zu informieren, öffentliche Aktionen durchzuführen und bei politischen Verantwortlichen für Frieden mit Gerechtigkeit einzutreten.

2007 kamen Kirchen aus allen Teilen der Erde im jordanischen Amman zusammen, um das Ökumenische Forum für Palästina/Israel zu gründen. Zweck des Forums ist es, neue und bestehende kirchliche Initiativen, die öffentlich für Frieden eintreten, "zu inspirieren und zu koordinieren". Die beteiligten Kirchen und kirchlichen Organisationen sollen in Übereinstimmung mit den einschlägigen UN-Resolutionen auf die Beendigung der rechtswidrigen Besetzung der palästinensischen Gebiete hinarbeiten und ihr Engagement in interreligiösen Aktionen für Frieden und Gerechtigkeit im Dienst aller in der Region lebenden Menschen zum Ausdruck bringen.